Anmerkung zur Motorüberholung

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Anmerkung zur Motorüberholung Was ist zu beachten bei einer Motorüberholung? - ... mehr

Anmerkung zur Motorüberholung

Was ist zu beachten bei einer Motorüberholung? -  Mögliche Nebenwirkungen.

Bericht aus der Praxis: Der Chefredakteur einer namhaften Oldtimerzeitung hatte uns eines Tages angerufen und uns um Rat für folgenden Fall, den Fall einer Leseranfrage, gebeten. Der Leser hatte seinen Motor einer HONDA CB750K überholen lassen.  Die Vergaser blieben unbearbeitet. Nun schildert der Leser dass seit der Überholung nach z.B. durchfahren einer Stadt am Ende der Stadt,  die Zündkerzen verrust sind und der Motor abstirbt. Dieses Phänomen war uns bekannt. Üblicherweise gibt es einen Verschleiß am Motor mit dem Ergebnis geringer werdender Verdichtung durch Kolben-u. Kolbenringverschleiß und Zylinderverschleiß und u.U. undichten Ventilen. Gleichzeitig gibt es auch Verschleiß im Vergaserbereich. Hiervon sind die Vergaserschieber und -gehäuse, die Drosselklappenwellen und -führungen und vor allem,  verursacht durch Kavitation, die Bohrungen in den Düsenstöcken betroffen. Durch den gemeinsamen Verschleiß mag sich nun die Gemischbildung wieder einigermaßen ausgleichen. Der Motor saugt nicht mehr so stark und der Vergaser neigt zur Überfettung – unterm Strich ändert sich nicht viel, vielleicht war aber auch die Überfettung schon teilverantwortlich für den Motorverschließ.

Nun wird sich irgendwann einmal entschieden den Motor zu überholen. An den Vergaser denkt man jetzt aber nicht. Ist nun der Motor wieder fit, hat wieder richtig Verdichtung, weil der Zylinderblock und Zylinderkopf evtl. geplant wurde auch eine höhere Verdichtung als vorher, saugt der Motor auch wieder gehörig an und erzeugt einen großen Unterdruck im Vergaser. Dieser nun größere Unterdruck im Vergaser in Verbindung mit durch Kavitation vergrößerten Bohrungen im Düsenstock ergibt nun einen z.T. wesentlich fetteren Motorlauf mit allen seinen Konsequenzen die da sind: Überfettetes Gemisch führt nicht nur zum Verrusen der Zündkerzen (günstigster Fall) sondern jedes überschüssige Kraftstoffmolekül, welches in der Kürze der Verbrennung kein Sauerstoffmolekül findet schlägt sich an der Zylinderwandung nieder und verdünnt den Ölfilm. Der funktionierende Ölfilm auf der Zylinderwandung mit einem guten Honbild bildet die Abdichtung der Hochdruckgase zum Motorraum. Ist dieser Ölfilm zu dünn kommt es nicht nur zu erhöhtem Ölverbrauch (der im Motorraum herrschende Ölnebel wird durch die Blow-by-Gase  über die Motorentlüftung dem Luftfilterkasten zugeführt und damit der Ansaugluft und wird dann im Motor mitverbrannt) sondern es kann auch keine sichere Trennung der sich gegeneinander bewegenden Teile (Kolben/Kolbenringe auf der einen Seite – Zylinderwandung auf der anderen Seite)   gewährleistet werden. Dies lässt sich dann nach der Demontage an den auf- und abwärtsgehenden (senkrechten) Riefen auf dem Kolbenschaft ablesen. Auf diese Weise kann sich unter bestimmten Fahrbedingungen (lange Fahrten) auch Benzin im Motoröl anreichern mit verheerenden Schäden am Kurbeltrieb bei gleitgelagerten Motoren.  Diese Fälle kommen immer wieder vor und stellen die Ursache für kapitale Motorschäden dar, besonders wenn z.B. Schwimmerventile hängen und damit zu starker Überfettung bei Mehrzylindermotoren (da fällt es nicht auf wenn ein Zylinder wegen Überfettung nur schlecht mitläuft). Ich erinnere mich da an Fälle dass ich Kunden nicht mehr vom Hof fahren ließ wegen der Befürchtung den Motor sonst ganz zu Schrott zu fahren (mit geschätzt 4 Liter Benin im 3-l-Ölvorrat). 

Langer Rede – kurzer Sinn: Man sollte immer dann, wenn man sich überlegt eine Motorrevision machen zu lassen, den Vergaser dazu nicht vergessen. Mindestens den Vergaser ganz zerlegen, sich die Bohrungen des Düsenstocks anschauen, die Vergaser-Schieber und Führungen, die Spiele zwischen Drosselklappenwelle und Führung anschauen und nicht zuletzt nach einer Überholung den Motor mittels der durchsichtigen Glaszündkerzen Colortune oder alternativ einem Abgastest auf korrektes Gemisch überprüfen. Ein entscheidendes Kriterium kann nämlich auch noch der Luftfilter selbst sein. Lässt der nicht genügend Luft durch (verdreckt/ungeeignetes Filtermaterial/Papierfilter nass/ Schaumstofffilter mit zu dickem oder zu viel oder ungeeignetem Öl) würde dies ebenfalls einen zu fett laufenden Motor nach sich ziehen incl. aller damit zusammenhängenden Folgen bis hin zum kapitalen Motorschaden.  Aus unserer täglichen Praxis wissen wir dass diesen o.g. Umständen viel zu wenig Beachtung geschenkt wird.  Besonders wenn eine Motorreparatur nach einem kapitalen Motorschaden (z.B. Kurbelwellenschaden an Gleitlagerkurbelwelle) durchgeführt wurde gilt es die eindeutige Ursache hierfür herauszufinden und zu beseitigen. Wird diese Ursache nicht eindeutig gefunden und beseitigt muss logisch mit einem neuen Schaden am nun überholten Motor gerechnet werden.  Nur allzu verständlich dass man dann nicht in erster Linie an eigene Versäumnisse denkt sondern vielmehr an der Qualität der vorangegangenen Arbeiten am Motor zweifeln möchte. Hier gibt es dann jedoch so gut wie immer eindeutige Indizien dafür die Fehlerursache Schritt für Schritt zu analysieren.

 

Hinweis: Für die meisten, vorwiegend japanische,  Motorräder führen wir für relativ wenig Geld komplette, hochwertige Vergaserreparatursätze die in der Regel auch die Düsenstöcke beinhalten (für MIKUNI- u. KEIHIN-Vergaser).  Diese sollten nach Motorrevisionen im Vergaser verbaut werden.




 

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